Freunde

Das sind Menschen, die man kennenlernt, lieben lernt und mit denen man sein Leben bestreiten will.
Das sind Menschen, die immer da sind. Ganz egal, ob sie nah dran sein können oder von der Ferne helfen müssen.

Freundschaften überdauern Jahre und egal, ob man sich mal lange nicht sieht, man versteht sich.

Was also ist es, dass mir das hier Bauchschmerzen bereitet? Was ist so schlimm an Veränderungen? Was ist so schlimm, wenn jemand geht den man lieb hat?
Der Gedanke, dass alle weggehen, dass so viele schon weg sind, das ist alles nicht wahr. Oder eigentlich nicht wichtig. Dafür kann ja keiner was. Keiner von denen die sich später entscheiden zu gehen.

Jeder Mensch muss mal was neues machen. Und jeder weiß, dass alles irgendwann ein Ende hat, alles ist terminiert. Auch wenn man das nicht wahrhaben will.

Und da sind ja immer noch andere Menschen, Menschen die für einen da sind. Die einen in den Arm nehmen oder auch in den Arsch treten und zum Weitermachen bringen.
Aber das ersetzt nicht die Menschen die gehen.

Was macht schon eine Entfernung?

Dann setzt man sich eben in den Zug und fährt hin.
Und wann macht man das? Viel zu selten. Irgendwas ist immer.
Sollte man sich deswegen Vorwürfe machen?
Das macht dann doch alles noch schlimmer irgendwie. Wenn man auch noch auf sich selbst böse ist. Hat doch keiner was von.

Man muss den Gedanken ablegen, dass irgendwer irgendwen verlässt.
Wege trennen sich, Wege treffen sich – das war schon immer so und das wird wohl auch weiter so sein.

Ob das immer klappt, das wird man sehen. Aber wenn die Menschen es einem wert sind, dann wird das klappen.

Jedenfalls ist das das woran ich gerade glauben möchte.

Freundschaft

Was ist das?

Der Zusammenhalt, wenns hart auf hart kommmt, „den kann ich immer anrufen, auch nachts um 4!“, „mit dem kann ich über alles reden“, „mit dem hab ich schon voll viel erlebt!“, „mit dem kann ich Pferde stehlen“, „der würde mich nie verraten“, das Zusammensein, auch wenn alles gut ist, das Teilen der Freude und der Tränen.

Sie kann über weite Entfernungen bestehen oder in der selben Wohnung stattfinden. Die einen brauchen Abstand, die anderen unendlich viel Nähe. Was da richtig oder falsch ist, das darf man vielleicht nicht beurteilen, das kann man vielleicht nicht verstehen. In meinen Augen zeigt sich zwar auch in der zeitweiligen Entbehrung eine große Chance um eine Freundschaft besonders zu halten, das sehen andere aber mit Sicherheit ganz anders.

Ohne alt und schrumplig und deswegen weise zu sein, behaupte ich von mir, dass ich im Bereich Freundschaft schon ein bisschen Erfahrung gesammelt habe. Nicht alles in Form von eigenen Freundschaften, auch durch Beobachten und Zuhören (jaja, die Soziologin…).
Viele Freundschaften leiden, zumindest zeitweilig unter einer Art einseitigem Übergewicht. Wenns dem einen schlecht geht, dann muss der gute Freund das alles mit ausbaden – das klingt nun hart, natürlich ist das auch so gedacht, mit der Freundschaft.
Wenn, ja, wenn sich das auch wieder ausgleicht. Wenn der andere sich wieder fängt. Und dann sagt, „hey, komm her, wie gehts dir? Hast du Probleme? Oder wollen wir uns einfach wieder ins Schöne stürzen? Ach und, danke, dass du für mich da warst.“
Und genau das, das passiert nicht immer. Leider. Und das tut so unendlich weh. Wer schonmal einen guten Freund hatte, der weiß, dass man viel investiert, viel Zeit, eigene Gedanken und Tränen und viel Mitgefühl. Und wenn das nicht irgendwann erwidert wird, fühlt man sich ausgesaugt, leer.
Sicher, wenn man selbst garkein Problem hat, dann braucht man auch nix in dieser Hinsicht zurückzubekommen, alles gut. Und, sowas kann auch dauern. Nicht alles wiegt sich 1:1 auf und das auch noch rasend schnell, don’t get me wrong! Doch wenn irgendwann dieser Punkt erreicht ist, an dem man merkt, da kommt nichts mehr, da ist dieses große schwarze Loch, dann ist es meist schon gefährlich spät. Oder, wenn man beobachtet, mitbekommt, wie mit anderen alles toll ist und bei einem selbst der ganze seelische Mist landet. Na klar, das was einen wirklich verletzlich macht, das vertraut man nur dem engsten Freund an, aber der muss auch noch was von dem positiven haben. Friss nicht da wo du scheißt ist an dieser Stelle nicht ganz richtig. Weinen und dann zusammen lachen, das wäre gut.

Warum schreibe ich das alles? Gerade jetzt?
Weil sich mir in den letzten Jahren schon so viele Gedanken zu dem Thema aufgedrängt haben, die endlich einmal raus wollen. Teile, die ich mit anderen besprochen habe, anderes was in meinem kleinen Kopf einfach so umhergeistert.

Eine weise Frau hat mal zu mir gesagt, dass wenn ich einem Freund jetzt helfe und der das garnicht richtig zu schätzen weiß (scheinbar), dann soll ich mir aber trotzdem sicher sein, dass er in 10, 15, vielleicht 20 Jahren einmal zurückschaut und sagt „ja, damals, da hat mich die Mieke da rausgeholt. Die war eigentlich immer da. Ohne sie wäre manches anders gelaufen. Ich hoffe, sie weiß das.“

Das hilft mir oft sehr. Dieser Gedanke. Manchmal kann man nicht im richtigen Moment danke sagen oder man weiß nicht einmal, wann dieser richtige Moment eigentlich ist.

Und vielleicht denkt ja der ein oder andere von euch darüber nach, über all das was ich hier schreibe. Und denkt an seinen besten Freund und sagt zwischendurch einfach mal: „Danke.“